Odyssee einer SSD Migration

Kürzlich sollte ich meinem Neffen meine gebrauchte 512 GB Samsung SSD in seinen Laptop einbauen, eigentlich kein aufwändiges Unterfangen. Es wollten jedoch hierbei zwei Probleme berücksichtigt werden.

Zunächst war es so, dass die SSD einen, mit einem Dell Laptop angelegten, Hardwareschlüssel hatte.

Weiterführend sollten die Daten von meinem Neffen auf die SSD geklont werden.

Das Problem mit der Hardwareverschlüsselung stellte sich bald als ziemlich heikel dar. Da mein jetziger Rechner keine Bios Funktion hat, um HDD Passwörter zu erstellen bzw. zu löschen. Nun dachte ich, haben die meisten Laptops ja diese Funktion und ein kurzer Einbau der SSD, in das Gerät des Neffen, sollte das Problem zügig beheben. Wie die meisten sich jetzt sicher denken, war dem leider nicht so. Mein alter Dell hat scheinbar die Besonderheit, ein ungewöhnlich langes HDD Passwort setzten zu können (ca. 16 Zeichen). Alle anderen Geräte die mir zur Verfügung standen hatten, wenn überhaupt, nur die Möglichkeit 8 Zeichen lange HDD Passwörter zu setzten. Dies sollte sich auch noch insofern problematisch zeigen, da ich bei den meisten Geräten, nicht einmal das Passwort beim Bootvorgang komplett eintippen konnte und somit die SSD sich nicht entsperren lies.

Nach einer Runde „Google hilf mir“, kam ich zu dem Ergebnis, dass ein „Secure Erase“ helfen könnte. Da hierbei alle Daten, inklusive des Schlüssels, gelöscht werden. Dies sollte normal über das Samsung Magician Tool kein Problem darstellen. Natürlich funktioniert dies seit Windows 8 nicht mehr, es bleibt jedoch die Möglichkeit über das Tool einen Bootstick mit Freedos und Secure Erase zu erzeugen. Dieser soll die Erase Software, ähnlich einem Live Linux, ausführen. Nachdem das Bios von UEFI only auf Legacy Mode umgestellt wurde, tat der Stick dies auch tatsächlich. Umso größer war nun meine Überraschung, da die Secure Erase Software zwar startete, allerdings sämtliche Schrift dermaßen verschoben und verzerrt war, dass an ein Entziffern kaum zu denken war. Eine weitere Runde „Google hilf“ zeigte mir wie die einzelnen Screens von Secure Erase normalerweise aussehen sollten und was hinter meinen Hieroglyphen verborgen war. Ich hangelte mich also hindurch und wählte, durch abschätzen und vergleichen mit der Referenz, die scheinbar richtigen Optionen aus. Der Löschvorgang startete und brachte mir prompt eine ebenfalls nicht lesbare Fehlermeldung.

Langsam macht sich in mir Fassungslosigkeit breit, was zum Kuckuck geht hier vor sich.

Einen Kaffee später startete ich erneut das Spiel „Google hilf“, wobei ich an dieser Stelle anmerken sollte, dass die meisten Browser bei mir mittlerweile DuckDuckGo als Standardsuchmaschine nutzen. Also such Entlein, such. Es offenbarte sich mir nun die Möglichkeit das Live Linux Parted Magic zu benutzen, die dort enthaltende Software „Erase Disk“ schien vielversprechend. Trotz meiner zunehmenden Skepsis gegenüber „Magic …“ Software, erstellte ich abermals einen Bootstick mittels Pendrivelinux. Da meine Version von Parted Magic wohl einen älteren Linux Kernel verwendet, lies sich der Stick abermals nicht über UEFI booten. Aber das kennen wir ja bereits.

Als endlich der Linux Bildschirm von Parted Magic erscheint, konnte ich endlich „Erase Disk“ aufrufen und den Löschvorgang starten. Dachte ich zumindest, den die Software meldete mir, dass die SSD gelockt (Frozen) ist und ich einmal in den Sleep-Modus wechseln sollte, um hoffentlich dieses Problem zu umgehen. Gesagt getan, nur mochte dies mein Rechner leider nicht und verweigerte nach dem Aufwachen, quittiert durch einen schwarzen Bildschirm, den Dienst. Als Alternative gab es laut DuckDuckGo die Option den SATA Stecker von der SSD zu entfernen und erst nach erfolgreich gebootetem Parted Magic wieder einzustecken. Wundersamerweise funktioniert dies direkt, was allerdings auch nur für Mainboards mit Hotswap Unterstützung gilt. Also erneut „Erase Disk“ gestartet und es erscheint die Frage nach einem Passwort, dies klang verheißungsvoll. Nachdem dieses eingetippt war und der Löschvorgang abermals bestätigt wurde legte das Programm los und meldete … einen Erfolg. Sollte es tatsächlich war sein, dass nun wirklich alles in Ordnung war und die SSD ohne nervige Frage nach einem Passwort startet. Knappe Antwort: Ja es war so.

Zusammenfassend zu Problem 1 bleibt nun zu sagen, dass Bios-HDD Passwörter weitaus tückischer sind wie man meinen sollte und Linux sich für mich abermals als Rettung erwies.

Problem 2 mit dem Klonen der Platte des Neffen auf die nun entschlüsselte SSD war mittels Clonezilla, ebenfalls in Parted Magic zu finden, zum Glück kein großer Akt mehr. Dies lag aber auch nur daran, dass die zu klonende Platte des Neffen kleiner war als die SSD. Denn mein Neffe äußerte noch den Wunsch seine Platte wiederum in seinen kleinen Zweit-Laptop zu packen und von diesem ebenfalls die Daten zu klonen. Diese war allerdings größer als die in diesem Fall neu einzubauenden. Somit kam es zum einem neuerlichen Abenteuer mit diversem Partitionierern und Klonprogrammen, welche einfach nicht so wollten wie ich es tat.

Es bleibt hierbei nur zu sagen, dass wenn eine Reise zu Ende geht, die nächste schon auf einen wartet. Mit allen Überraschungen, welche nicht zuletzt in der Welt der Bits und Bytes dazugehören.

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