Pracht

Schritt für Schritt zum gastfreundlichen Bürstenhörnchen (Xenial Xerus: Ubuntu 16.04)

Gestern, dem 21.04.2016, erschien Ubuntu in der neuen Version 16.04 LTS, sprich in der aktuellen Version (04/2016) mit 5-jährigen Support. Ich möchte dies nun zum Anlass nehmen, einen möglichst einfachen Einstieg in der Linux-Welt zu beschreiben.

Um der heimischen Windowskiste keinen Schrecken einzujagen, werde ich zunächst die Installation von Linux in einer virtuellen Umgebung aufzeigen. Somit kann nach Herzenslust experimentiert werden, ohne den Host (Die Windowskiste) in Gefahr zu bringen.

Hierfür wird zunächst das Programm VirtualBox von Oracle benötigt, dieses bietet einen hohen Funktionsumfang und ist erfreulicherweise kostenfrei. Bei der Installation der Software sollte die angebotenen Treiber für die Netzwerk- und USB-Verbindung mit installiert werden, um später einen reibungslosen Betrieb der VirtualBox zu ermöglichen.

VirtualBox
VirtualBox von Oracle

Nach der Installation der VirtualBox kann auch schon Ubuntu 16.04 Xenial Xerus, in den Download gepackt werden.

Ubuntu 16.04
Downloadlink Ubuntu 16.04

Nach dem Klick auf den Downloadlink startet dieser leider nicht direkt, es erscheint zunächst eine Aufforderung dem Projekt eine Kleinigkeit zu Spenden. Der eigentliche Link befindet sich auf dieser Seite ganz unten und ist „“ benannt. Ich finde das jetzt in keinster Weise verwerflich und Ubuntu finanziell etwas zu unterstützen kann sich nur Positiv auswirken, jedoch würde ich es mir wünschen, den einfachen Downloadlink prominenter aufzustellen und somit den Zahlungscharakter der Seite etwas zu entschärfen.

Downloadlink
eigentlicher Downloadlink

Aber weiter im Text. Jetzt ist es an der Zeit die virtuelle Maschine aufzusetzen, auf der Ubuntu später einmal laufen soll. Hierfür öffnen wir VirtualBox und starten über den „Neu“ Button, in der oberen Menüzeile, den Einrichtungsassistenten.

Virtuelle Maschine
Anlegen der virtuellen Maschine

Danach geben wir der virtuellen Maschine einen Namen, hier setzt man am besten den Namen des gewünschten Betriebssystems ein, woraufhin VirutalBox bereits einen guten Vorschlag für den Unterbau der Maschine macht.

Virtuelle Maschine
Namensgebung für die virtuelle Maschine

Als Nächstes steht die Bemessung der zur Verfügung gestellten Menge an Arbeitsspeicher an, welche der virtuellen Maschine bzw. dem Gastsystem zugeteilt wird. Soweit der eigene Rechner über mindestens 4 GB an Arbeitsspeicher (RAM) verfügt, sollten dem Gastsystem – für einen sorgenfreien Betrieb –  2 GB spendiert werden.

Arbeitsspeicher
Zuteilung Arbeitsspeicher

Soweit so gut, nun muss dem virtuellem System noch eine Festplatte zugewiesen werden, auf welcher das Betriebssystem und alle weiteren benötigen Daten gespeichert werden können. Keine Angst an dieser Stelle, es ist hierfür nicht nötig zusätzliche reale Hardware an den Rechner zu anzuschließen. Vielmehr wird nur eine Datei auf der eigenen Festplatte angelegt, diese fungiert für den Gastrechner als die zu nutzende Festplatte. Die Größe kann hierbei frei konfiguriert werden, sollte aber natürlich nicht das Fassungsvermögen der verbauten realen Festplatte sprengen und dem Hostbetriebssystem (dem Windows) auch noch genügend zum Arbeiten übrig lassen. Zum Experimentieren und Testen sollten ca. 15 GB für Ubuntu mehr als ausreichend sein. Bis auf die Speichergröße können hier alle, bis auf eine, Standardeinstellungen übernommen werden. Die Datei auf dem Host kann dynamisch oder mit fester Größe angelegt werden, dies hat den Vorteil nur soviel Speicher zu belegen wie das Gastsystem auch benötigt. Grundsätzlich ist dies eine gute Idee, nur meine Erfahrungen zeigten, dass die installierten Betriebssysteme, oft nicht sonderlich gut mit schwankenden Dateisystemgrößen umgehen konnten. Vom dem her sollte lieber eine feste Datei mit 15 GB Größe angelegt werden, wie gesagt sollte diese Menge normalerweise kein Problem darstellen.

Festplatte
Erzeugen der virtuellen auf der realen Festplatte
Virtuelle Festplatte
verschiedene Speicherformate für die virtuelle Festplatte
Dynamisch
Auswahl dynamisches oder festes Dateisystem
Virtuelle Festplatte
Festlegung der Speichergröße

Nachdem die virtuelle Festplatte angelegt ist, sollte VirtualBox bereits eine komplette Maschine aufgesetzt haben, auf welcher wir dann endlich Ubuntu installieren können. Vorher allerdings lohnt es sich die einzelnen Systeme der Maschine noch einmal zu begutachten. Es fällt nämlich auf, dass VirtualBox sehr ressourcensparende Standardeinstellungen vornimmt, die unter Umständen für das Gastsystem zum Flaschenhals werden können. Zum einen sollten die meisten Desktoprechner heutzutage über 4 reale CPU-Kerne und die meisten Laptops über – zumindest – 4 logische CPU Kerne (2 reale mit Hyperthreading) verfügen. Daher können der virtuellen Maschine ohne weiteres 2 Kerne zur Seite gestellt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass für den Host diese Kerne verloren sind. Nein, sie werden viel eher für die Gastprozesse höher priorisiert. Die übrigen beiden, bleiben exklusiv für das Hostsystem bestehen. Solange man keine Videoencodierung nebenbei betreibt oder eine Partie „The Witcher 3“ spielt, sollte dies auch keine Einschränkungen für den Host bedeuten. Zu den Einstellungen kommt man über einen Rechtsklick auf die Virtuelle Maschine und dann auf „Ändern“.

Systemeigenschaften
Ändern der Systemeigenschaften
CPU Kerne
Festlegung Anzahl der CPU Kerne für den Gast

Weiterhin kann es lohnend sein die Speichermenge der virtuellen Grafikkarte zu erhöhen, diese fällt mit Standardmäßig 33 MB sehr niedrig aus. Grundsätzlich würde ich an dieser Stelle empfehlen, die vollen 128 MB einzustellen. Mehr ist schließlich immer besser als weniger 😉 Die weiteren Einstellungen zur Beschleunigung können an dieser Stelle ignoriert werden.

Grafikspeicher
Einstellung virtueller Grafikspeicher

Für den weiteren Verlauf sind die restlichen Einstellungen irrelevant, für die Internetanbindung sollte unter dem Punkt Netzwerk bereits ein internes NAT angelegt sein, sodass keine weiteren Einstellungen notwendig sind.

So, nach ca. 800 Wörtern kommen wir endlich zu dem Punkt, auf den alle gewartet haben, der Installation von Ubuntu. Natürlich war es bis hier hin ziemlich trocken, aber gute Vorbereitung ist der halbe Sieg, ändert aber auch nichts daran, dass es wohl weiterhin ein wenig trocken bleiben wird. Nichtsdestotrotz kommen wir dem Finale näher.

Also auf geht’s, nun können wir über den „Starten“ Pfeil, die ausgewählte virtuelle Maschine unter dampfen und Prusten anwerfen. Es erscheint auch prompt ein Fenster, welches uns dazu auffordert, den Pfad zum Installationsmedium anzugeben. In unserem Fall ist dies das runtergeladene Ubuntu-Image „ubuntu-16.04-desktop-amd64.iso“.

Pfadangabe
Pfad zum Installationsmedium

Nun startet auch schon die eigentliche Ubuntuinstallation, zunächst wird die gewünschte Sprache eingestellt. Danach bietet Ubuntu eine Reihe von Optionen an, diese  reichen von den Installtionensmöglichkeiten bis zu diversen Diagnosetools. Im unseren Fall kann das Ubuntu-Setup ruhig direkt angestoßen werden, für diesen Zweck haben wir ja die virtuelle Maschine erstellt. Nun kann die Installationsroutine, bis zu den zwei Checkboxen mit der Auswahl von Aktualisierungen und der Installtion von Drittanbieter-Software, gefolgt werden. Diese Optionen können ruhig angekreuzt werden, mit den „Aktualisierungen“ erhält man die bereits verfügbaren Updates und hinter der „Drittanbieter-Software“ verbergen sich u.a. die Codecs zum Abspielen von Videos und MP3s, also ganz unwesentliche Sachen für den Alltag.

Systemsprache
Auswahl der Systemsprache
Auswahl U D
Auswahl zu Updates und Drittanbieter-Software

Im nächsten Schritt geht es auch schon ans eingemachte, hier wird die Art der Installation festgelegt, ob die ganze Festplatte genutzt werden soll, Ubuntu komplett verschlüsseln soll und einige weitere. Für unserem Zweck reicht die erste Option mit der einfachen Komplettinstallation.

Installationsoptionen
Auswahl Installationsoptionen

Nach der Bestätigung – ob man sich auch wirklich ganz sicher ist, das richtig zu tun – werden noch die Zeitzone und die gewünschte Tastaturbelegung abgefragt. Jetzt bleibt noch die Festlegung des Benutzernamens und des Passwortes übrig, in diesem Anwendungsfall reicht ein einfaches Passwort aus. Da dieses im späteren Verlauf noch gebraucht wird, könnte eine Notiz von jenem nützlich sein, was ich aber auch nur im diesem Fall empfehle und für Produktivsystem auf keinen Fall getan werden sollte. Des Weiteren kann die Option für die automatische Anmeldung angekreuzt werden, um unnötige Verzögerungen beim künftigen starten von Ubuntu zu vermeiden, wie gesagt nur für diesen Fall, nicht für Produktivsysteme, außer ihr arbeitet für Offshore-Konten.

Name
Benutzername- und Passwortangabe.

Gut, das war auch schon das wichtigste, nun könnt ihr in Ruhe den Installationsprozess bewundern oder euch einen Kaffee, Tee, Bier oder ähnliches holen.

Installation
Die Installation läuft

Wenn Ubuntu fertig ist, fordert es zu einem Neustart auf. Dieser wird natürlich – in der Hoffnung, nun bald endlich Ubuntu zu sehen – angestoßen. Das nächste was man sieht, zumindest ich mit diesen Versionen der Software, ist ein Fehlerscreen. Jetzt werden wieder Erinnerungen an Windowszeiten wach: „Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten“, ach und die anderen waren alle erwartet oder was! Aber wie Douglas Adams im „Anhalter durch die Galaxis“ sagen würde, „Don’t Panic“. VirtualBox scheint lediglich keine Neustarts zu mögen, also einfach über das X im Fenster, die virtuelle Maschine zum Ausschalten auffordern.

Fehler
Oha ein Fehler, aber keine Panik
Ausschalten
Ausschalten der virtuellen Maschine

Nun einfach nochmal die virtuelle Maschine neu anwerfen und ein paar Sekunden später sollte auch schon der Desktop von Ubuntu erstrahlen.

Ubuntu Desktop
Der lange erwartete Ubuntu Desktop

Das erste was einem auffällt, besonders Besitzern von hochauflösenden Bildschirmen, ist das recht kleine Fenster im dem Ubuntu läuft. Die virtuelle Maschine ist hier erstmal ein wenig eingeschränkt. Besonders deutlich wird dies, wenn man versucht das Fenster zu vergrößern.

Größe
Ups, wieso wird das nicht größer ?

Aber hierfür gibt es ebenfalls Abhilfe, VirtualBox stellt hierfür ein Tools namens „Gasterweiterungen“ bereit. Es kann ganz einfach über den Menüpunkt „Geräte“ ausgewählt werden. Daraufhin wird in das laufende Ubunutubetriebssystem, ein virtueller Datenträger mit zusätzliche Software, automatisch eingelegt. Ubuntu frägt noch nach, ob der Inhalt des Datenträgers ausgeführt werden soll. Dies kann ruhigen Gewissens bestätigt werden.

Gasterweiterungen
Einlegen der Gasterweiterungen

Nun ist es auch schon soweit, dem User wird zum ersten Mal der TERMINAL präsentiert. Fluch und Segen von Linux, aber dazu in einem anderen Artikel mehr. Zum Glück ist hier auch nicht viel zu unternehmen. Es soll lediglich, über das Passwort, die Ausführung der Gasterweiterungen legitimiert werden. Im Terminal läuft nun der Installationsprozess ab, wenn dieser fertig ist erscheint die Meldung „Press Return to close this window…“, nun einfach die Eingabetaste drücken.

Terminal
Der Terminal in aktion

Um die Gasterweiterungen nutzen zu können, muss das System noch neu gestartet werden, wie vorhin bereits erlebt, ist es besser Ubuntu einmal komplett runter zu fahren und dann die Maschine wieder neu zu starten. Innerhalb von Ubuntu wird die „Herunterfahren“ Funktion mit dem, in der oberen rechten Ecke befindlichen, Version eines Zahnradsymbols ausgewählt.

Runterfahren
Runterfahren von Ubuntu

Wenn Ubuntu sich wieder im Desktop befindet, kann nun über die Fenstergröße, auch die Desktopfläche frei bestimmt werden, ach wie wunderbar 1920×1080 Pixel aussehen können =)

Pracht
Ubuntu in voller Pracht

Nun kann Ubuntu frei erkundet werden und über einen Blick in den Softwarekatalog, das reichhaltige Angebot für diese Distribution, bestaunt werden. Also probiert munter alles mögliche durch und scheut nicht davor zurück bei Fragen sich sofort an die Suchmaschinen zu wenden, da Linux dann doch wieder eine andere Welt ist, welche nach ihren eigenen Regeln funktioniert.

Kommentare, Hinweise und Anregungen sind mir stets willkommen =)

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