Die Ernüchterung des Pinguins

Erstmal wünsche ich allen noch ein gutes neues Jahr 2017, trotz des anstehenden Trumputin.

Aber gleich zum eigentlichen Thema. Seit Microsoft mit Windows 10 in das Windows as a Service Zeitalter eingestiegen ist und uns nun mit ungewollten Zwangsupdates beglückt, habe ich neue Zuneigung zu Alternativen wie Linux entwickelt. In diesem Rahmen habe ich mir auch einen „neuen“ Laptop (HP 15-ay045ng) mit einer Intel Core i3 5005u CPU zugelegt. Der Laptop an sich, ist ziemlich günstig und ist als Zweitgerät gut geeignet. Das Gerät wurde dadurch noch günstiger, da es ohne Windows-Lizenz beschafft werden konnte. In dem Fall war nur ein FreeDOS Betriebssystem installiert.

Als dieser ankam, wurde erstmal Linux mit der Elementary OS Distribution installiert. Mit dieser Distribution hatte ich bereits Erfahrung und sie gefällt mir optisch in Vergleich zu den sonst gängigen Distributionen, wie Ubuntu oder Fedora, noch am besten. Am Anfang funktioniert alles augenscheinlich auch recht gut. Nachdem alles eingerichtet war und auch die Treiber für den WLAN-Drucker von Brother (DCP-J140W) installiert waren, nach einer nicht ganz trivialen Vorgehensweise, konnte der Laptop auch verwendet werden.

Jedoch wurde nach relativ kurzer Zeit klar, dass nicht alles zur vollen Zufriedenheit war. Das WLAN-Modul von Broadcom wollte nicht so recht funktionieren, es hat sporadisch die Verbindung zum heimischen Netz verloren und die Empfangsqualität war generell ziemlich dürftig. Daher wurde es kurzerhand durch das Intel Dual Band Wireless-8260 Modul nachgerüstet, somit war nun auch Bluetooth 4.2 und das 5 GHz WLAN-Band verfügbar. Das einzige Manko ist leider noch, dass der Laptop nur eine Antenne bietet, wodurch die mögliche Bandbreite des WLANs (MIMO) halbiert wird.

Das Problem mit der schlechten abbrechenden Verbindung war allerdings zu allem Ärger, auch mit dem neuen WLAN-Modul noch gegeben. Ich vermutete, ein aktuellerer Linux-Kernel  könne das Problem beheben, da Elementary OS auf Ubuntu 16.04 mit dem Kernel 4.4 fußt. Aktuell ist der Kernel 4.8, wie er in der Distribution Ubuntu 16.10 verwendet wird. Also wurde nochmal ein Installationsstick mit Ubuntu 16.10 erstellt und das neue OS auf den Laptop gespielt. Sie ahnen es, leider war das Problem immer noch da. Zusätzlich fing der Akku des Laptops auch noch an sich im ausgeschalteten Zustand zu entleeren und auch der Scanner vom Brother-Drucker wollte sich nicht mehr richtig einrichten lassen, welch Freude das alles doch weckt.

Leider konnte ich keine Lösung für diese Probleme finden, ich befürchtet auch schon, dass ggf. durch meine Umrüstaktion ein Hardwaredefekt vorliegen könnte. Für einen letzten Test nahm ich nun eine meiner Windows 10 Lizenzen (noch aus dem Studium). Wieder wurde ein Installationsstick erstellt und das eigentlich geschmähte Windows 10 wurde auf den Laptop installiert. Und siehe da, alles funktionierte nun, wie es sollte, auch der Akku entleerte sich nicht mehr auf mysteriöse weise. Eine bittere Erkenntnis, scheinbar funktioniert nur sehr alte Laptop-Hardware zufriedenstellend und im vollen Umfang mit Linux. Dabei möchte ich es doch gerne nutzen, nur nicht auf einem 4-5 Generationen alten Gerät. Auch im Magazin c’t konnten die Redakteure nie einen aktuellen Linux Laptop ausfindig machen, welcher einfach nur so umfänglich funktionierte, wie er es unter Windows tat.

Mein Fazit ist somit, dass Linux auf dem Desktop bzw. Laptop immer noch in einem viel zu schlechten Zustand ist, um es als ernsthafte Alternative für Windows oder macOS in Betracht zu ziehen. Dabei wäre mir ein professionell erstelltes und gepflegtes Linux Desktop OS auch 100 € Wert. Nur will ich das, dann auch ein normaler Gebrauch möglich ist und man kein „Nerd“ sein muss, nur um einen Druckertreiber zu installieren. Mir ist natürlich klar, dass die Entwickler nichts für schlechten Treibersupport können. Allerdings könnten Sie jedoch, für die gängigen Geräte eine vereinfachte Installationsroutine einführen, die es auch ohne den Einsatz des Terminals, die Einrichtung eines Treibers ermöglicht. Jetzt mag mancher schreien, das gibt es doch, ja, aber es funktionierte bei mir nicht.

Für eine echte Nutzung im normalen Userumfeld, ist eine zwangsweise Nutzung des Linux-Terminals, aus welchen Gründen auch immer, einfach ein No-Go. Und wenn es erstmal ein wirklich attraktives Linux Desktop Betriebssystem gäbe, welches dann auch eine nennenswerte Verbreitung findet (zumindest mehr als Ubuntu), würde sich auch automatisch die Pflege der Treiber für Linux weiter verbessern. Somit bleibt mir nur auf eine Verbesserung der Lage zu hoffen oder der Umstieg auf macOS, wobei Apple auch schon mal, in Anbetracht der aktuellen Produkte, bessere bzw. vernünftigere Produkte im Angebote hatte.

2 thoughts on “Die Ernüchterung des Pinguins

  1. Hallo Siegfried,

    ein frohes neues Jahr 2017!

    Broadcom scheint unter Linux eine echte Katastrophe zu sein. Ich lese immer wieder von solchen oder ähnlichen Problemen. Interessanterweise läuft es bei mir ohne Schwierigkeiten. Ich habe unter anderem ein sehr altes Notebook mit einem WLAN-Chipsatz von Broadcom.

    Unter Ubuntu MATE 16.04 läuft es auf diesem Gerät einwandfrei. Ob das Glück oder Zufall ist, kann ich nicht sagen.

    Ich habe die folgenden Schritte durchgeführt:

    sudo apt-get install firmware-b43-installer
    sudo apt-get install broadcom-sta-dkms
    [reboot durchführen]
    modprobe b43
    „b43“ eintragen in /etc/modules
    „blacklist b43“ entfernen in /etc/modprobe.d/blacklist-bcm43.conf
    „blacklist b43“ entfernen in /etc/modprobe.d/broadcom-sta-dkms.conf
    [reboot durchführen]

    Alternativ könntest Du Dir einen USB-WLAN-Stick besorgen, bei dem kein Broadcom-Chipsatz zur Verwendung kommt. Auf linux-onlineshop.de gibt es beispielsweise einen entsprechenden Stick mit dem Realtek RTL8191SU Chipsatz. Laut den Bewertungen einfach einstecken und fertig. Das wäre zumindest einen Versuch wert.

    Das Thema mit der Akkulaufzeit müsste man sich genauer angucken. Zwar hält bei mir der Akku auch nicht so lange wie unter Windows, aber es ist kein gigantischer Unterschied. Hast Du vielleicht ACPI durch einen entsprechenden Kernelparameter ausgeschaltet?

    Es ist schade, aber verständlich, dass Du wieder zurück zu Windows wechseln musstet.

    1. Hallo Markus,

      ebenfalls noch ein gutes neues Jahr.

      Das Broadcom-WLAN-Modul wurde wie beschreiben durch das Intel AC 8260 Modul ersetzt. Bei diesem sollte es Treiberseitig keine Probleme mehr geben. Die Verbindungsabbrüche waren allerdings auch nach einer kompletten Neuinstallation mit Ubuntu 16.10 noch vorhanden. Die Internetverbindung blieb nur vorhanden, wenn ich per Terminal einen ständigen Ping laufen ließ. Dieses Fehlerbild konnte ich zwar in diversen Webseiten wiederfinden, jedoch keine passende Lösung hierfür.
      Der Akku ist eine andere Geschichte. Dieser hat sich im komplett heruntergefahrenen Zustand entleert, nach einem Tag war er bei 0 %, was sicher nicht der Langlebigkeit zuträglich ist. Dieses Fehlerbild trat mit beiden Linux-Distributionen auf.
      Seit ich Windows 10 installiert habe, funktionieren wie beschrieben, das WLAN und der Akku wieder einwandfrei. Wo hier die Fehler bei der Linuxinstallation – sowohl mit Kernel 4.4 als auch mit 4.8 – liegen, ist mir schleierhaft. Ein Laptop mit Intel Broadwell Chipsatz ist jedenfalls mittlerweile drei Generationen alt und sollte eigentlich vernünftig unterstützt werden.

      Ich werde jedenfalls fürs erste Windows 10 installiert lassen, mit erscheinen von Ubuntu 17.04 werde ich vermutlich wieder einen Versuch starten. Mit etwas Glück funktioniert dann alles 🙂

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